Die Königin selbst ist bereits vergessen, nicht jedoch ihr Duft: L’Eau de Hongrie, ein Parfum auf der Basis von Rosmarinblüten, wurde 1370 eigens für Elisabeth von Polen geschaffen. Sie soll zeitlebens große Mengen davon benötigt haben, denn sie wendete das Parfum innerlich wie äußerlich an.

Junge Königin von polnischem Adel

Die schöne Elisabeth aus dem polnischen Adelsgeschlecht der Piasten wurde 1320, im Alter von 15 Jahren, mit Karl I. Robert, König von Ungarn, Kroatien und Dalmatien verheiratet und wurde somit Königin von Ungarn.

Der Legende nach erhielt Elisabeth von Polen das Rezept für das Parfum aus den Händen eines Engels, und mit Hilfe dieses Elixiers gelang es ihr, ihre Schönheit und Anmut bis ins hohe Alter von 72 Jahren zu bewahren.

Eau de Hongrie – Ein wandelbares Rezept

Tatsächlich war die Rezeptur, ein Alkoholauszug des Rosmarinöls, einem Rezept der Ärzte Arnaud de Villeneuve und Raymond Lulle vom Ende des 13. Jahrhundert aus Montpellier sehr ähnlich. Nur in Montpellier soll man den Duft mit den Blüten des Rosmarins hergestellt haben. In anderen Orten musste man mit einer einfachere Version vorliebnehmen, die mit dem intensiven Aroma der Rosmarinnadeln hergestellt wurde. Spätere Parfümeure verfeinerten das Parfum mit Lavendel, Bergamotte, Cirse (dem Duft der Kratzdistel), Jasmin und Amber.

 

Rosmarinblüten – Unscheinbar, aber von intensivem Duft | Quelle: Quagga Illustrations

Duft im Umfeld der Macht

Die Mischung war so gelungen, dass sie über Jahrhunderte weiter genutzt wurde: So ist es am Hof des Königs Charles V. im 14. Jahrhundert nachgewiesen. Im 17. Jahrhundert nutzten es die Frauen im Umfeld des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Es war das Parfum der Mme de Sévigné, ihrer Tochter Mme de Grignan und der Madame de Maintenon. ‚Die Maintenon‘ legte es auch ihren Schützlingen nahe – verarmten Mädchen des Adels, für die sie ein Heim gegründet hatte – böse Zungen sprachen von einem Heiratsinstitut. Wie auch die Königin von Ungarn schrieben die Fans dem Parfum revitalisierende, therapeutische und verschönernde Wirkung zu. Es wurde gegen Rheuma, Herzprobleme, Pest, Leberbeschwerden, Ohrenkrankheiten und Bauchschmerzen eingesetzt.

Marquise von Maintenon. Gemalt 1694 von Mignard, gestochen von Fieguet | © Quagga Illustrations

Auch heute noch ist das Eau de Hongrie in Gebrauch, doch es hat sich zu einem Herrenparfum gewandelt. Ob seine Duftnote als eher ‚frisch-blumig‘ oder ‚orientalisch-holzig‘ zu bewerten ist, ist nicht ganz klar. Noch heute wird es in der Parfümerie Fragonard in Grasse in der Provence hergestellt. Ob die Königin von Ungarn den Duft wiedererkennen würde, wenn sie ihn zwischen den Hunderten von Düften einer modernen Parfümerie herausschnuppern sollte? Wer weiß.